Kais kleines Haus


„Wie groß muss dein Haus sein, wenn die ganze Welt dein Wohnzimmer ist?"

Im Frühjahr 2008 baute sich Kai Schaede in seinem Bielefelder Garten aus experimenteller Neugier ein winziges zweigeschossiges Haus mit insgesamt 15,7qm Wohnfläche, in dem er zwei glückliche Jahre verbrachte bevor es ihn in seine neue Wahlheimat Herford zog.

Was heute als Downsizing allgemein anerkannt ist, steckte damals noch in den Kinderschuhen; niemand konnte sich vorstellen, aus freien Stücken in einer so kleinen Hütte zu wohnen wenn es doch eigentlich gar nicht notwendig war! Dementsprechend viele Fragen musste er beantworten. Er sagte:

„Mein kleines Haus schützt vor Regen, Kälte und Wind. Bietet Schutz vor Sonne und Hitze, vor neugierigen Blicken oder langen Fingern. Manchmal, aus Instandhaltungsgründen, auch vor zuviel Zeit und Muße.
Dies alles kann ein kleines Haus genauso gut wie ein großes.

Ein gutes kleines Haus kann jedoch weitaus mehr als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Mein Lieblingsargument, wenn mich große Augen etwas entsetzt anschauen, ist: ich muss endlich nicht mehr so viel Staubsaugen! Denn das ist in weniger als 3 Minuten erledigt.

Das ist für jedermann sofort verständlich, und doch kratzt es nur an der Oberfläche aller Vorteile, die mich letztendlich dazu brachten, den Luxus einer mehr als großzügig geschnittenen, hellen Wohnung mit einer kleinen „Hütte“ im Garten zu tauschen: mein kleines Haus beschützt mich nicht nur vor zu viel Hausarbeit, es beschützt mich vor der Unterhaltung (in wirtschaftlichem Sinne) und Instandhaltung von selten genutztem oder gar ungenutztem Raum und den Überlegungen, wie ich diese freien Flächen ausstatten kann, um am Ende in einer Umgebung nicht unähnlich der eines Möbelhauses leben zu müssen. Es schützt mich in gewissem Sinne vor unnötigen Ausgaben, denn jede Neuanschaffung will wohlüberlegt sein: allein aus Platzmangel muss zwingenderweise ein Teil gehen wenn ein neues kommen soll. Weiterhin schützt es mich vor Unordnung, sollte sich jemals eine solche einstellen, ist sie in kürzester Zeit behoben.
Wie groß muss dein Haus sein, wenn die ganze Welt dein Wohnzimmer ist?"
[Kai hat mit exakt 300 Dingen gelebt. 300 Sachen, die man wirklich braucht. Wobei ein Paar Socken, oder ein Löffel, Stuhl, sein Musikinstrument usw. als jeweils eine Sache zählte]

"Kleiner Tip: TV und Radio wären die ersten Dinge, die verschwinden sollten. Sie nehmen nicht nur im Haus unverhältnismäßig viel Platz in Anspruch, sondern auch im eigenen Kopf. Ich kann Ihnen versichern, wichtige Dinge des Weltgeschehens erfahren Sie früh genug von dritter Seite. Und zwar ohne Nebenwirkungen.

Nur des Zeitgeistes wegen: mein kleines Haus schützt mich vor zu hohen Energierechnungen! Der Verbrauch von Energie sowie Heizung ist so erstaunlich wie verschwindend gering. Des weiteren muss keine Bank mit Zinstilgungen bedient werden, denn das Haus war praktisch schon bezahlt als es noch nicht mal fertig war.

Noch etwas Zeitgeist, wenn auch ungleich wichtiger: mein kleines Haus wurde aus nachwachsenden Rohstoffen gebaut. Während der Bauphase fiel nur etwa 50kg Abfall an (vgl. normales Haus rund 7000kg nicht oder nur schwer wiederverwertbarer Abfall), von denen 40kg gehäckselt wurde oder dem Nachbarn als Brennholz in seinem Kamin dienten. Die restlichen 10 Kilo Verpackungsabfall hätte man sich mit gewitzten Materialeinkäufen sicherlich auch ersparen können.
Mein kleines Haus kann übrigens komplett wiederverwertet werden.
Am Ende seiner langen Lebenszeit könnte man es, wenn man mag, auch auf einen etwas größeren „Komposthaufen“ kippen...
In der Zwischenzeit aber wird es mich beschützen.
Genau so wie ein Großes."

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